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Die
Basilika San Pietro in Vincoli (lat.
Sancti Petri ad vincula, dt. St.
Peter in den Ketten) liegt am
Esquilin-Hügel in der Nähe des
Kolosseums in Rom
Geschichte
Die Kirche wurde von Eudoxia der
Frau von Valentinian III. gestiftet
und steht auf Überresten aus dem 2.
Jahrhundert. Der Grundstein wurde im
Jahr 431 gelegt, acht Jahre später
wurde San Pietro durch Papst Sixtus
III. geweiht. Im Laufe ihrer
Geschichte erlebte die Kirche
mehrere Umbauten, zuletzt durch
Francesco Fontana im Stil der
Renaissance. Dies geschah unter
Kardinal Giuliano della Rovere, der
1503 zum Papst Julius II. gewählt
wurde.
Name
Namensgebend für die Kirche waren
die Ketten (Vincoli), die in einem
Glasbehälter unter dem Altar
aufbewahrt werden. Mit diesen soll
Petrus angeblich im Marmertinischen
Kerker gefesselt gewesen sein.
Die christliche Legende nennt den
Carcer Tullianus als den Ort, an dem
die Apostel Petrus und Paulus
gefangen gehalten wurden. Das
Gebäude wurde deshalb im 16.
Jahrhundert zu einer Kirche
umgestaltet, die heute San Pietro in
Carcere (oder auch San Giuseppe dei
Falegnami) genannt wird.
Grabmal für Papst Julius II
Bekannt ist die Kirche jedoch durch
Michelangelos Grabmal für Papst
Julius II. mit den Statuen der
Rachel, der Lea und des Mose.
Vorgesehen waren etwa 40
überlebensgroße Figuren. Den Sockel
des Monuments sollten Allegorien der
Künste und Wissenschaften sowie
Sklaven als Symbole der
unterworfenen Provinzen umgeben.
Darüber waren ursprünglich vier
Sitzfiguren um den Sarkophag
vorgesehen. 1506 ließ Julius II. den
Plan fallen, und Michelangelo
verließ Rom. 1508 kehrte er zurück
und begann mit den Deckenfresken der
Sixtinischen Kapelle. Als 1513 Papst
Julius II. starb widmete sich
Michelangelo erneut dem Grabmal. Es
entstanden der Gefesselte Sklave und
der Sterbende Sklave sowie der Mose.
Die Mosesstaute gilt als eines der
wichtigsten Werke Michelangelos. Sie
zeigt Mose, der mit den Gesetztafeln
vom Berg Sinai zurückkommt, in dem
Moment, als er die Israeliten beim
Tanz um das goldene Kalb findet. Der
Hörner auf seinem Kopf gehen wohl
auf einen Übersetzungsfehler zurück:
Im hebräischen Urtext, der keine
Vokale kennt, steht das Wort "krn".
Als man später darangeht, den Text
mit Vokalen zu versehen, setzt man
zwei "e" ein. Aus "krn" wird "keren"
und das heißt "gehörnt". Diese
Fassung hält sich durch Jahrhunderte
und wird so auch in die Vulgata
übernommen, aus der Michelangelo
sein Wissen bezieht. Durch Vergleich
mit anderen Texten erkennt man viel
später, dass richtig zwei "a"
ersetzt werden müssen! Das Wort
heisst dann "karan" und bedeutet "glänzend",
und die etwas rätselhafte
Bibelstelle bekommt einen anderen,
verständlichen Sinn - vgl. [1].
Michelangelos Biograf Giorgio Vasari
fasst das zeitgenössische Urteil
über den Mose 1568 in der zweiten
Ausgabe seiner Biografie so zusammen:
Als Michelangelo den Moses vollendet
hatte, gab es kein Werk zu sehen, ob
antik oder modern, das daneben
bestehen konnte. [2]
Geplant war Mose als Eckfigur auf
der Ebene des Sarkophags. Aus dieser
Position erklären sich auch die
Körperdrehung und die
physiognomische Dramatik, die auf
Fernwirkung berechnet ist. Aus der
Nähe bekommt der Kopf den Furcht
erregenden Ausdruck, der sich in der
Charakterisierung Michelangelos als
Meister der terribilità verfestigt
hat, der „Ehrfurcht gebietenden
Kraft“. Diese planwidrige
Aufstellung beeinflusste auch
Goethes Eindruck, der 1830 schrieb:
Diesen Heroen kann ich mir nicht
anders als sitzend denken.
Wahrscheinlich hat die überkräftige
Statue des Michel Angelo am Grabe
Julius des Zweiten sich meiner
Einbildungskraft dergestalt
bemächtigt, dass ich nicht davon
loskommen kann. [3]
Haltung und Details der Statue haben
zu zahlreichen Deutungsversuchen
Anlass gegeben. Auch Sigmund Freud,
der Begründer der Psychoanalyse,
beschäftigte sich intensiv mit der
Statue und veröffentlichte 1914 eine
anonyme Abhandlung darüber ("Der
Moses des Michelangelo"). Der
Aufsatz entstand unmittelbar nach
dem Konflikt mit seinem „abtrünnigen“
Schüler C. G. Jung. Insofern kann
man in dieser Interpretation der
Skulptur „ein Moment der
Identifizierung Freuds mir der
mythischen Figur des Moses" sehen.
[4] Freud beschreibt in seiner
Abhandlung über den Moses mehrere
Erklärungsansätzen und kommt zu dem
Schluss, dass die Dynamik in dem
Bildwerk aus Carrara-Marmor sich aus
einem Bewegungsablauf ergibt. Moses
erhebt sich beim Tanz um das goldene
Kalb um seine Stimme und Hand
anzuheben, dabei drohen die
Gesetzestafel seiner anderen Hand zu
entgleiten. In der Bewegung des
Erhebens geht die Bewegung wieder
zurück zu einer Sitzbewegung, denn
Moses versucht - wie jeder Mensch in
solch einer Situation - die Tafeln
wieder in Griff zu bekommen. Diese
Bewegung ist bei Freud im
Skizzenform dargestellt. Die
Bewegung ist gewissermaßen im Marmor
eingefroren. |